Juni 12

0 Kommentare

KI-Durchbruch 2025? Stand eineinhalb Jahre später

By Olaf Buwen

Juni 12, 2026

AI Overviews, Alphabet, Amazon Nova, Anthropic Claude, Apple Intelligence, Gen AI, Generative KI, Google AI, Google Cloud, Google Gemini, Google Search, KI-Agenten, KI-Durchbruch 2025, KI-Modelle, KI-Suche, KI-Wettbewerb, Künstliche Intelligenz, Meta Llama, OpenAI, Tech-Strategie

Im Januar 2025 habe ich im Artikel „Google’s KI-Durchbruch 2025: Warum der Tech-Gigant die Gen AI-Krone übernimmt“ eine ziemlich klare These vertreten: Google werde 2025 nicht nur zurückkommen, sondern die generative KI dominieren. Die Argumentation war damals: Google habe die Infrastruktur, die Modelle, die Produkte, die Daten, die Cloud und vor allem die Suchmaschine, um OpenAI, Microsoft, Anthropic, Meta, Amazon und Apple hinter sich zu lassen. (IT mit Genusz!)

Eineinhalb Jahre später ist es Zeit für einen nüchternen Blick: War diese Vorhersage richtig, falsch oder irgendwas dazwischen?

Die kurze Antwort: Sie war erstaunlich oft richtig in der Richtung, aber zu absolut im Ergebnis. Google ist 2025/2026 tatsächlich wieder ganz vorne angekommen. Aber die Gen-AI-Krone hat Google nicht allein übernommen. Das Rennen ist nicht entschieden, sondern breiter, professioneller und härter geworden.


1. Die Ausgangsthese: Google kommt zurück

Der Originalartikel beschrieb Google Anfang 2025 als unterschätzten Giganten. Nach Bard-Panne, Gemini-Kritik, Imagen-Kontroverse und den absurden AI-Overview-Beispielen wie Kleber auf Pizza oder Steine essen wirkte Google zeitweise orientierungslos. Gleichzeitig lautete die Kernthese: Genau dieses Bild täusche, weil Google hinter den Kulissen seine KI-Strategie neu sortiert habe. (IT mit Genusz!)

Die wichtigsten Vorhersagen waren:

Kriterium aus dem OriginalartikelPrognose Anfang 2025Stand Juni 2026
InfrastrukturGoogle hat den stärksten Full-Stack-VorteilWeitgehend richtig
ModelleGemini, Imagen und Veo werden führendTeilweise richtig
ProduktintegrationKI wird tief in Google-Produkte eingebautRichtig
MonetarisierungGoogle kann KI besser verdienen als reine KI-StartupsRichtig, aber teuer
SucheGoogles Suchdominanz bleibt bestehenRichtig, aber mit Risiken
KonkurrenzOpenAI, Anthropic, Meta, Amazon und Apple werden überschätztTeilweise falsch

2. Infrastruktur: Googles stärkster Treffer

Der wohl beste Punkt des Originalartikels war die Betonung von Googles Infrastruktur. Google besitzt eigene Rechenzentren, eigene KI-Chips, Google Cloud, Android, Workspace, YouTube, Search, Chrome und eine riesige Entwicklerplattform. Genau dieser Full-Stack-Vorteil hat sich als real erwiesen.

Auf der Google I/O 2025 brachte Google Gemini 2.5 in Search, AI Mode und AI Overviews, stellte neue Gemini-Funktionen vor und schob KI tiefer in seine Kernprodukte. Google selbst meldete, AI Overviews hätten damals bereits über 1,5 Milliarden Nutzer erreicht und seien in über 200 Ländern und Regionen verfügbar. (blog.google)

Auch finanziell stützt das die These. Alphabet meldete für Q1 2026 starkes Wachstum bei Search und Google Cloud; im Earnings-Call hieß es zudem, dass Google seit der Umstellung von AI Overviews und AI Mode auf Gemini 3 die Kosten zentraler KI-Antworten um mehr als 30 Prozent gesenkt habe. (s206.q4cdn.com)

Bewertung: Hier lag der Originalartikel ziemlich richtig. Google hat keinen isolierten Chatbot gebaut, sondern KI in eine vorhandene Weltmaschine eingebaut.


3. Modelle: Stark, aber nicht allein führend

Der Originalartikel schrieb Google Anfang 2025 die „derzeit besten KI-Modelle im Markt“ zu. Das war die mutigste und zugleich angreifbarste Behauptung. Gemini, Imagen und Veo waren und sind stark. Google brachte 2025 Gemini 2.5, Veo 3, Imagen 4 und weitere Medienmodelle auf Vertex AI. (blog.google)

Aber: Die Konkurrenz blieb nicht stehen. OpenAI veröffentlichte GPT-5 im August 2025 und GPT-5.5 im April 2026; OpenAI positioniert GPT-5.5 ausdrücklich für komplexe Arbeit, Coding, Recherche, Analyse und dokumentenlastige Aufgaben. (OpenAI)

Anthropic wurde ebenfalls nicht abgehängt. Claude 4 wurde im Mai 2025 mit Fokus auf Coding, Reasoning und Agenten veröffentlicht; im Mai und Juni 2026 folgten Claude Opus 4.8 sowie Claude Fable 5 beziehungsweise Mythos 5. (Anthropic)

Unabhängige Leaderboards zeigen deshalb eher ein rotierendes Spitzenfeld als einen einzelnen Sieger. Auf Arena.ai lag am 10. Juni 2026 zum Beispiel Claude Fable 5 an der Spitze der Text-Arena, nicht Gemini. (arena.ai)

Bewertung: Google ist im Modellrennen ganz vorne dabei. Aber „die besten Modelle“ ist keine stabile Aussage mehr. Je nach Aufgabe gewinnen Gemini, Claude, GPT, Grok oder spezialisierte Modelle.


4. Produktintegration: Googles eigentliche Superkraft

Hier war die Prognose sehr stark. Google hat KI nicht nur als separates Produkt verstanden, sondern als Schicht über bestehende Produkte. Gemini steckt in Search, Android, Pixel, Workspace, Cloud, Developer Tools und kreativen Anwendungen.

Google I/O 2025 war im Rückblick weniger ein einzelnes Produkt-Event als eine Integrationsansage: Gemini in Search, AI Mode, AI Overviews, Gemini 2.5, neue Medienmodelle, Flow, NotebookLM, Veo, Imagen und Cloud-Angebote wurden zu einem Ökosystem verbunden. (blog.google)

Genau das unterscheidet Google von reinen Modellanbietern. OpenAI und Anthropic haben sehr starke Modelle, aber sie müssen Nutzungskontexte oft erst bauen oder über Partner erschließen. Google hat diese Kontexte bereits: Suche, Mail, Kalender, Docs, YouTube, Android, Maps, Chrome.

Bewertung: Volltreffer. Google hat gezeigt, dass Distribution im KI-Zeitalter fast so wichtig ist wie Modellqualität.


5. Monetarisierung: Google verdient mit KI, aber KI kostet massiv

Der Originalartikel argumentierte, Google könne KI leichter monetarisieren als OpenAI oder Perplexity, weil das Werbegeschäft, Cloud und Abos bereits existieren. Das stimmt grundsätzlich.

Alphabet überschritt 2025 erstmals 400 Milliarden Dollar Jahresumsatz, Google Services wuchs weiter, Google Cloud legte stark zu, und Google One beziehungsweise KI-Abos trugen zum Wachstum bei. (blog.google)

Trotzdem ist das kein Selbstläufer. KI erhöht Infrastrukturkosten, erzwingt enorme Investitionen in Rechenzentren und Chips und verändert das Suchgeschäft. Google kann KI zwar besser querfinanzieren als viele Wettbewerber, aber KI ist nicht einfach eine zusätzliche Marge. Sie ist auch ein Kostenblock und ein Umbau des Kerngeschäfts.

Bewertung: Richtig, aber mit Einschränkung. Google kann KI monetarisieren. Aber KI frisst gleichzeitig Kapital, Aufmerksamkeit und operative Komplexität.


6. Suche: Dominanz ja, Unverwundbarkeit nein

Der Originalartikel erklärte Perplexity und andere KI-Suchmaschinen sinngemäß nicht zur echten Gefahr für Google Search. Stand Juni 2026 spricht der Marktanteil tatsächlich für diese Einschätzung: Laut StatCounter lag Google im Mai 2026 weltweit weiterhin bei rund 90 Prozent Suchmaschinenmarktanteil. (StatCounter Global Stats)

Aber die Gefahr kommt nicht nur von außen. Sie kommt auch von innen. AI Overviews und AI Mode verändern, was Suche bedeutet. Google wird weniger zur Linkliste und mehr zur Antwortmaschine. Für Nutzer kann das praktisch sein. Für Publisher kann es problematisch werden, weil Antworten Klicks ersetzen.

Eine Studie von 2026 zu Google AI Overviews fand unter anderem, dass AI Overviews bei Frage-Suchen deutlich häufiger erscheinen, dass ein Teil der zitierten Seiten nicht in den klassischen Top-Ergebnissen auftaucht und dass ein relevanter Anteil der generierten Aussagen nicht sauber durch die zitierten Seiten gestützt wird. (arXiv)

Dazu kommt jurischer Druck. Am 12. Juni 2026 berichtete Reuters, Google wolle ein deutsches Urteil anfechten, nach dem Google für falsche Aussagen in AI Overviews haftbar gemacht werden könne. (Reuters)

Bewertung: Die Suchdominanz wurde richtig eingeschätzt. Aber die Stabilität dieser Dominanz wurde überschätzt. Google Search lebt weiter, verändert aber sein eigenes Geschäftsmodell.


7. Die Konkurrenz: Deutlich stärker als damals angenommen

Der schwächste Teil des Originalartikels war die Einschätzung der Konkurrenz.

OpenAI blieb nicht bloß ein Hype-Anbieter. Mit GPT-5, GPT-5.5 und Codex hat OpenAI seine Position bei ChatGPT, professioneller Arbeit und agentischem Coding ausgebaut. (OpenAI)

Anthropic fand sehr wohl klare Anwendungsfälle: Coding, Agenten, Enterprise-Workflows, lange Kontexte, Dokumentarbeit und sichere Automatisierung. Claude Code wurde 2025 allgemein verfügbar, und Claude Opus 4.8 sowie Fable 5 zeigen, dass Anthropic besonders bei komplexen Arbeitsabläufen stark bleibt. (Anthropic)

Meta blieb mit Llama nicht nur ein Open-Source-Nebenschauplatz. Llama 4 brachte 2025 nativ multimodale Open-Weight-Modelle, darunter Scout und Maverick, mit sehr großen Kontextfenstern. (Meta AI)

Amazon war ebenfalls nicht so fokusschwach, wie es Anfang 2025 wirkte. Mit Amazon Nova, Bedrock, Nova Forge und Nova Act positioniert AWS eigene Modelle und Agentenangebote klar im Enterprise- und Infrastrukturmarkt. (Amazon Web Services, Inc.)

Apple blieb lange zurück, hat aber im Juni 2026 die nächste Generation von Apple Intelligence und Siri AI angekündigt. Ob Apple damit technologisch aufschließt, ist offen. Aber aus dem Rennen ist Apple nicht. (Apple)

Bewertung: Die Konkurrenz wurde im Originalartikel unterschätzt. Google ist stark, aber nicht allein.


8. Was hat sich seit Januar 2025 wirklich verändert?

Der wichtigste Perspektivwechsel ist: 2025 war nicht das Jahr, in dem ein einzelner Anbieter endgültig gewonnen hat. Es war das Jahr, in dem sich generative KI von Chatbots zu Produktivitäts-, Such-, Coding-, Medien- und Agentensystemen entwickelt hat.

Die Fronten sehen heute eher so aus:

FeldStarke Anbieter
Suche und DistributionGoogle
Consumer-Chat und PlattformOpenAI, Google
Coding und AgentenAnthropic, OpenAI, Google, xAI
Open-Weight-ModelleMeta, Mistral, Qwen, DeepSeek
Cloud und EnterpriseGoogle, Microsoft, AWS, Anthropic
MediengenerierungGoogle, OpenAI, Runway, Pika und andere
GeräteintegrationGoogle, Apple, Microsoft

Das bedeutet: Die Frage „Wer gewinnt KI?“ ist zu grob. Je nach Marktsegment gibt es unterschiedliche Gewinner.


9. Gesamturteil: Irgendwas dazwischen

War die Vorhersage ganz falsch? Nein.

War sie ganz richtig? Auch nein.

Das faire Urteil lautet: Die Prognose war strategisch richtig, aber rhetorisch zu groß.

Richtig war:

  • Google war nicht erledigt.
  • Google hatte massive Infrastrukturvorteile.
  • Google konnte KI tief in bestehende Produkte integrieren.
  • Google Search blieb dominant.
  • Google Cloud und KI-Abos profitierten sichtbar vom KI-Boom.

Zu optimistisch war:

  • Google wurde nicht unangefochtener Marktführer.
  • Die Modellkrone wechselte mehrfach.
  • Anthropic, OpenAI, Meta und Amazon wurden unterschätzt.
  • Die Risiken von AI Overviews für Publisher, Vertrauen und Haftung wurden unterschätzt.
  • Das KI-Rennen hatte keine Ziellinie im Jahr 2025.

Fazit: Google ist zurück, aber die Krone ist geteilt

Eineinhalb Jahre später würde ich den Originalartikel nicht zurückziehen. Seine Grundthese war richtig: Google hat den KI-Rückstand aufgeholt und gehört wieder zur absoluten Spitze.

Aber ich würde die Schlagzeile heute vorsichtiger formulieren. Nicht: „Google übernimmt die Gen-AI-Krone.“ Sondern eher:

Google hat sich die Gen-AI-Krone zurückerobert – aber es muss sie teilen.

Der Markt ist 2026 kein Duell mehr zwischen Google und OpenAI. Es ist ein Ökosystem aus Modellanbietern, Cloud-Plattformen, Betriebssystemen, Suchmaschinen, Coding-Agenten, offenen Modellen und spezialisierten Enterprise-Lösungen.

Google hat dabei einen der besten Startplätze. Vielleicht sogar den besten. Aber entschieden ist das Rennen nicht. Es ist nur erwachsen geworden.


Hat Dir der Beitrag gefallen? Dann teile ihn doch mit Deinen Freunden!

Was hältst Du von dem Thema?
Schreib mir doch einfach Deine Meinung in einem Kommentar...

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}
>